Anfangs ständig, heute nur noch regelmäßig während der Nacht und am Tag den Situationen entsprechend.
Luftröhrenschnitt und Sondenernährung, gehören schon längst zur Normalität.
Stellvertretend für die vielen Eltern, die ihre Kinder schweren Herzens der Obhut und medizinischen Versorgung des „von-Haunerschen-Kinder-Spitals“ der LMU-München überlassen müssen, möchte ich Ihnen unser persönliches Schicksal schildern, wie ich es aus meiner Sicht wahrgenommen habe.
Mein Mann und andere Eltern haben es gewiss ganz ähnlich gefühlt.
"Niemals werde ich DAS vergessen:
Fassungslos, innerlich völlig zerstört, von schmerzendem Mitleid und endloser Liebe erfüllt, stehe ich tränenlos am Bett meines Kindes, dass über Schläuche und Kabel nahezu ohne Leben an diesem gehalten wird.
OH, MEIN GOTT!
BITTE, HILF MEINEM KIND!
WARUM HASST DU UNS VERLASSEN!
WO BIST DU?
WIE KONNTEST DU DAS ZULASSEN?
Fragend, verzweifelt und wütend versuche ich das, was ich sehe, zu erfassen, zu verstehen und zu ertragen.
Mit ohnmächtigen Gliedern, wie in Trance gehe ich Tag für Tag ins Krankenhaus, hinauf zur Intensivstation, raffe allen Mut zusammen und bin bereit für ärztliche Informationen.
Künden sie Sterben oder Leben an?
Die Hände angstvoll und doch so liebend in den Inkubator geschoben, die Hand des Kindes ergreifend, mit in sich gekehrtem Blick – so sehe ich andere Mütter und Väter nach Hoffnung und Erlösung suchend.
Ein Spiegelbild von uns selbst.
Ja, niemals werde ich das vergessen:
Ein Mann geht demütig von Bett zu Bett.
Er lächelt und sucht behutsam meinen Blick.
Findet er ihn, so tritt er heran.
Er sagt nichts. Aber, er ist da. – Bereit für meine Worte.
Als es mir möglich ist, diese Nähe von Pater Michael, dem Krankenhaus-Seelsorger, anzunehmen, kehre ich in die Realität, ins Leben zurück.
Ich sehe endlich die Sonne wieder scheinen.
Gespräche tuen so gut!
Mein Schicksal, das meines Mannes und das meines Sohnes ist kein Einzelfall.
Das Schicksal der Krankenhaus-Eltern hat viele Gesichter,
doch eins ist immer gleich:
Das ist das Sorgen und das Verzweifeln, die Hoffnung und die Liebe, die Bereitschaft für‘s Abschiednehmen und die Erleichterung bei Genesung.
Diese Übereinstimmungen wurden und werden mir immer wieder bewusst, wenn ich mit anderen betroffenen Eltern, meist mit den Müttern, ins Gespräch komme.
So durchleben wir Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre auf der Intensivstation des Kinderkrankenhauses und tauschen unsere Geschichten und Empfindungen aus.
Immer wieder begleitet Pater Michael uns auf unserem steinigen Weg und führt uns mit ganzer Hingabe und seinem unendlich großen Herzen durch so manche Dunkelheit.
Seine Anwesenheit nimmt uns etwas von der lähmenden Angst.
Egal, was das Schicksal für uns bereithält, ein Gefühl von Kraft und Mut und Zuversicht keimt in uns auf."